
30.10.2026
Speicher wird knapper, Komponenten sind teilweise schlechter verfügbar und die Preise steigen. Unternehmen stehen damit vor einer Herausforderung: Wie lässt sich die eigene Storage-Infrastruktur zuverlässig erweitern und modernisieren, wenn Kosten und Lieferbedingungen immer schwerer planbar werden?
Die Ursachen liegen vor allem in der steigenden Nachfrage, begrenzten Produktionskapazitäten und dem wachsenden Speicherbedarf durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Dennis da Silva, Teamlead Modern Infrastructure bei Netz16 (Teil der accompio-Gruppe), erklärt im Interview, welche Auswirkungen die Speicherkrise auf Unternehmen hat und warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die eigene Storage-Strategie zu überprüfen.
Warum Storage knapper und teurer wird, wie Unternehmen ihren Speicherbedarf realistisch einschätzen und welche Maßnahmen jetzt sinnvoll sind, erklärt Dennis da Silva im vollständigen Interview.
Wenn von einer Speicherkrise die Rede ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass überhaupt kein Speicher mehr verfügbar ist. Vielmehr treffen mehrere Entwicklungen aufeinander: Die Nachfrage nach Speicherprodukten steigt, während Hersteller bei einzelnen Komponenten an ihre Produktionskapazitäten stoßen. Gleichzeitig erschweren veränderte Lieferbedingungen die Beschaffung.
Eine zusätzliche Herausforderung sind große Rechenzentrumsbetreiber, die einen erheblichen Teil der verfügbaren Speicherkomponenten für ihre eigenen Infrastrukturprojekte sichern. Dadurch wird es für andere Unternehmen schwieriger, benötigte Produkte in ausreichender Menge und zu stabilen Preisen zu erhalten.
Ein wesentlicher Treiber ist das allgemeine Datenwachstum. Unternehmen digitalisieren zunehmend ihre Prozesse und ersetzen papierbasierte Abläufe durch digitale Lösungen. Hinzu kommt der steigende Bedarf durch KI-Anwendungen, die zusätzliche Rechenleistung und Speicherressourcen benötigen.
Die Folge: Nicht nur klassische Storage-Produkte, sondern auch Arbeitsspeicher (RAM) sind von steigenden Preisen und teilweise eingeschränkter Verfügbarkeit betroffen.
Für Unternehmen, die ihre Speicherinfrastruktur erweitern oder erneuern müssen, wird die Planung zunehmend anspruchsvoll. Preise und Preisgültigkeiten lassen sich weniger zuverlässig kalkulieren als noch vor einigen Jahren. Auch Lieferzeiten und Verfügbarkeit können sich kurzfristig verändern.
Dennis da Silva empfiehlt deshalb, notwendige Erweiterungen frühzeitig anzugehen – und nicht erst dann, wenn der vorhandene Speicher nahezu vollständig ausgelastet ist.
Gleichzeitig sollten Unternehmen nicht versuchen, den vermeintlich perfekten Einkaufszeitpunkt abzupassen. Eine solche Gelegenheit lässt sich unter den aktuellen Marktbedingungen nur schwer vorhersagen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Unternehmen grundsätzlich möglichst früh möglichst viel Speicher kaufen sollten. Vorratskäufe sind vor allem dann sinnvoll, wenn ein konkreter zusätzlicher Bedarf absehbar ist und die vorhandene Infrastruktur an ihre Kapazitätsgrenzen kommt.
Wer dagegen ausschließlich einen aktuellen Preis sichern möchte, riskiert, heute Speicher zu kaufen, der erst in ein oder zwei Jahren eingebaut wird. Bis dahin können sich Technologien und Anforderungen bereits verändert haben.
Entscheidend ist deshalb eine belastbare Planung auf Basis des tatsächlichen Datenwachstums und der individuellen Unternehmensentwicklung.
Bevor Unternehmen zusätzliche Kapazitäten beschaffen, sollten sie zunächst verstehen, welche Daten überhaupt in ihrer Infrastruktur liegen. In vielen Organisationen fehlt eine vollständige Übersicht über Art, Umfang und Bedeutung der gespeicherten Informationen.
Hier setzt die Datenklassifizierung an. Sie hilft dabei, geschäftskritische Daten von weniger wichtigen Informationen zu unterscheiden und deren jeweiligen Speicherbedarf besser einzuordnen.
Dabei ergeben sich wichtige Fragen:
„Der erste Tipp ist Transparenz. Das heißt, seine Daten zu kennen und auch das zukünftige Datenwachstum zu kennen.“
Dennis da Silva, Teamlead Modern Infrastructure bei Netz16 (Teil der accompio-Gruppe)
Eine solche Bestandsaufnahme kann ungenutzte oder überflüssige Datenbestände sichtbar machen. Unternehmen erhalten dadurch eine bessere Grundlage, um ihren Speicherbedarf gezielt zu reduzieren.
Auch bestehende Backup-Konzepte sollten überprüft werden. Nicht jede Information muss zwangsläufig auf dieselbe Weise und in derselben Häufigkeit gesichert werden. Eine Anpassung der Backup-Strategie kann helfen, vorhandene Kapazitäten effizienter einzusetzen.
Da sich der zukünftige Speicherbedarf nur schwer exakt vorhersagen lässt, sollten Unternehmen bei der Planung auf Erweiterbarkeit achten. Eine Storage-Architektur muss sich an veränderte Anforderungen anpassen lassen, ohne dass bei jedem Wachstumsschritt die gesamte Infrastruktur neu aufgebaut werden muss.
Neben der Architektur bieten auch technische Verfahren Möglichkeiten, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen. Dennis da Silva nennt insbesondere Deduplizierung und Kompression.
Bei der Deduplizierung werden redundante Datenbestände reduziert. Kompression verringert den benötigten Speicherplatz durch eine effizientere Darstellung von Daten. Beide Verfahren können dazu beitragen, die vorhandene Speicherkapazität besser auszunutzen.
Sie lösen jedoch nicht das grundsätzliche Problem steigender Nachfrage und begrenzter Verfügbarkeit. Unternehmen müssen sich daher weiterhin mit ihrer langfristigen Speicherstrategie beschäftigen.
Auch die Entwicklung der kommenden Jahre bleibt herausfordernd: Nach Einschätzung da Silvas wird der Markt voraussichtlich noch zwei bis drei Jahre angespannt und von Schwankungen geprägt sein.
Bisher wurde Speicherkapazität in Unternehmen häufig eher pauschal bereitgestellt. Die aktuelle Marktsituation macht jedoch deutlich, dass ein bewussterer Umgang mit Daten und Storage notwendig wird.
Speicher ist nicht mehr nur eine technische Ressource, die bei Bedarf erweitert wird. Die Frage, welche Daten gespeichert werden, wie lange sie benötigt werden und welche Bedeutung sie für das Unternehmen haben, wird zunehmend zu einer strategischen Entscheidung.
Das zeigt sich auch an der Frage, ob zusätzlicher Speicher überhaupt die richtige Antwort auf steigende Datenmengen ist. Natürlich wird es weiterhin Situationen geben, in denen Unternehmen neue Kapazitäten benötigen. Entscheidend ist aber, wofür diese Kapazitäten eingesetzt werden.
Eine durchdachte Storage-Strategie verbindet deshalb Datenklassifizierung, Kapazitätsplanung, Backup-Konzept und eine flexibel erweiterbare Architektur.

accompio unterstützt Unternehmen von der Bewertung des Speicherbedarfs bis zur Entwicklung einer langfristigen Storage-Strategie.
Die Speicherkrise wird Unternehmen voraussichtlich noch einige Zeit beschäftigen. Steigendes Datenwachstum, KI und begrenzte Produktionskapazitäten sorgen dafür, dass Verfügbarkeit und Preise schwerer kalkulierbar bleiben.
Dennis da Silva empfiehlt Unternehmen deshalb drei konkrete Schritte:
So können Unternehmen fundierter entscheiden, wann zusätzlicher Speicher notwendig ist und wo sich vorhandene Kapazitäten effizienter nutzen lassen.
„Die Frage ist eher tatsächlich nicht, ob ich den Speicher kaufe, sondern wofür.“
Dennis da Silva, Teamlead Modern Infrastructure bei Netz16 (Teil der accompio-Gruppe)

Dennis unterstützt als Teamlead im Bereich Modern Infrastructure Unternehmen bei der Analyse und Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur.
Die steigende Nachfrage durch Digitalisierung, KI und große Rechenzentren trifft auf begrenzte Produktionskapazitäten und erschwerte Lieferbedingungen. Dadurch sind einzelne Speicherkomponenten schlechter verfügbar und die Preise steigen.
Nicht pauschal. Vorratskäufe können sinnvoll sein, wenn ein konkreter Kapazitätsengpass absehbar ist. Allein zur Sicherung eines aktuellen Preises empfiehlt sich ein Kauf auf Vorrat dagegen nicht, da sich Technologien und Anforderungen bis zum tatsächlichen Einsatz verändern können.
Unternehmen sollten zunächst Transparenz über ihre Datenbestände schaffen und diese nach ihrer geschäftlichen Bedeutung klassifizieren. Nicht mehr benötigte Daten können gegebenenfalls gelöscht oder archiviert werden. Auch die Überprüfung bestehender Backup-Konzepte kann helfen, Speicher effizienter zu nutzen.
Bei der Datenklassifizierung werden Informationen nach ihrer Bedeutung, Schutzbedürftigkeit und ihrem Verwendungszweck eingeordnet. Dadurch lässt sich besser bestimmen, welche Daten besonders geschützt und langfristig gespeichert werden müssen und welche weniger hohe Anforderungen haben.
Deduplizierung reduziert redundante Datenbestände, während Kompression den benötigten Speicherplatz durch eine effizientere Datenrepräsentation verringert. Beide Verfahren helfen, vorhandene Storage-Kapazitäten besser auszunutzen.
Eine zukunftsfähige Storage-Architektur sollte erweiterbar sein und sich an veränderte Anforderungen anpassen lassen. Grundlage dafür sind eine transparente Datenbestandsaufnahme, eine realistische Prognose des Datenwachstums und eine frühzeitige Planung notwendiger Investitionen.
