
14.07.2026
Ein IT-System ist erst dann abgesichert, wenn Unternehmen ihre eigenen Schwachstellen kennen. Genau hier setzt Schwachstellenmanagement an.
Jedes Unternehmen betreibt Systeme mit Sicherheitslücken, ob durch veraltete Software, fehlende Patches oder Fehlkonfigurationen. Die entscheidende Frage: Wie schnell findet, bewertet und schließt ein Unternehmen diese Lücken?
Im Interview erklärt Stefan Kappey, Service Owner Schwachstellenmanagement bei accompio, wie der Prozess in der Praxis abläuft, welche Fehler Unternehmen vermeiden sollten und welche Rolle Künstliche Intelligenz bei der Priorisierung übernimmt.
Wie läuft Schwachstellenmanagement in der Praxis ab? Welche Tools kommen zum Einsatz? Und warum bleibt Patchen trotz aller Automatisierung die wichtigste Einzelmaßnahme? Alle Antworten gibt Stefan Kappey im vollständigen Video-Interview.
Schwachstellenmanagement bezeichnet den kontinuierlichen Prozess der Identifizierung, Bewertung, Priorisierung und Behebung von Sicherheitslücken in IT-Systemen. Ziel ist die Reduzierung der Angriffsfläche eines Unternehmens, bevor Angreifer eine Schwachstelle ausnutzen.
Der Prozess unterscheidet grundsätzlich zwei Kategorien von Schwachstellen:
Letztere erfordern eine manuelle Bearbeitung, da kein Patch sie automatisch behebt.
Viele Unternehmen verlassen sich auf das Bauchgefühl ihrer Administratoren, um Risiken einzuschätzen. Dieses Vorgehen liefert selten ein vollständiges Bild der tatsächlichen Angriffsfläche.
„Ohne meine Angriffsfläche zu kennen, kann ich sie nicht schützen“
— Stefan Kappey, Service Owner bei accompio
bringt es Stefan Kappey im Interview auf den Punkt. Erst ein systematischer Scan der gesamten IT-Umgebung schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen über Priorisierung und Behebung.
Schwachstellenmanagement folgt vier aufeinanderfolgenden Phasen, die sich nach jeder Behebung wiederholen.
Eine rein manuelle Prüfung stößt in IT-Umgebungen mit hunderten Systemen schnell an ihre Grenzen. Automatisierte Schwachstellenscanner testen ganze Netzwerke täglich und liefern eine aktuelle Übersicht zum Sicherheitszustand.
Der manuelle Ansatz zeigt zudem eine praktische Schwäche: Administratoren, die ein Update anstoßen und eine erfolgreiche Installation sehen, gehen von einem sicheren System aus. Updates funktionieren jedoch nicht immer zuverlässig im Hintergrund. Ein Schwachstellenmanagement-Tool deckt solche stillen Fehler auf, die im rein manuellen Prozess oft unbemerkt bleiben.
Ein Praxisbeispiel aus dem Interview verdeutlicht diesen Punkt: Bei einem Kunden zeigte das eingesetzte Tool eine WannaCry-Schwachstelle auf einem System, obwohl diese im gesamten Unternehmen längst behoben war. Ursache war ein altes, wiederhergestelltes Systemabbild. Ohne kontinuierliches Scanning wäre diese Schwachstelle unentdeckt geblieben.
Der häufigste Fehler im Schwachstellenmanagement bleibt ausbleibendes Patchen. Ein zuverlässiger Patchprozess reduziert den Aufwand erheblich, da er die meisten Schwachstellen bereits im Vorfeld schließt.
Eine zweite Herausforderung betrifft die Kommunikation zwischen Abteilungen. Besonders an der Schnittstelle zwischen klassischer IT und Operational Technology (OT) gelten unterschiedliche Prioritäten. Während in der IT die Sicherheit im Vordergrund steht, zählt in der OT vor allem die Verfügbarkeit von Anlagen. Fehlender Austausch zwischen beiden Bereichen führt regelmäßig zu Sicherheitslücken, die niemand behebt, da die Verantwortung unklar bleibt.
Nicht zuletzt erfordert die Priorisierung selbst Erfahrung: Eine kritisch eingestufte Schwachstelle auf einem unkritischen System bindet mitunter mehr Ressourcen, als ihr tatsächliches Risiko rechtfertigt.
Künstliche Intelligenz unterstützt Schwachstellenmanagement zunehmend bei der Auswertung großer Datenmengen und beim Erkennen relevanter Muster.
Die eigentliche Priorisierung bleibt jedoch auch künftig eine Aufgabe erfahrener Fachkräfte.
„Ich brauche trotz KI im Schwachstellenmanagement immer noch meine eigene Erfahrung, meine Expertise und mein Bauchgefühl, um aus den Daten in der Priorisierung die richtigen Schritte abzuleiten.“
— Stefan Kappey, Service Owner bei accompio
Komplexe Priorisierungsentscheidungen erfordern Kontextwissen über das jeweilige Unternehmen, das die KI oder ein Tool allein nicht liefert.

accompio identifiziert Schwachstellen in Ihrer IT-Infrastruktur und leitet priorisierte Maßnahmen zur Behebung ab.
Schwachstellenmanagement schützt Unternehmen nur dann wirksam, wenn Erkennung, Priorisierung nach Unternehmenskontext und ein zuverlässiger Patchprozess ineinandergreifen. Ein durchdachtes Vulnerability Management reduziert die Angriffsfläche nachhaltig und schafft die Grundlage für weitere Maßnahmen im Bereich Cyber Security.

Stefan Kappey ist Service Owner Schwachstellenmanagement bei accompio und begleitet Unternehmen beim Aufbau strukturierter Schwachstellenmanagement-Prozesse.
Schwachstellenmanagement ist der kontinuierliche Prozess der Identifizierung, Bewertung, Priorisierung und Behebung von Sicherheitslücken in IT-Systemen. Ziel ist die Reduzierung der Angriffsfläche eines Unternehmens.
Ein Schwachstellenscan liefert eine Momentaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt. Schwachstellenmanagement bildet den gesamten fortlaufenden Prozess aus Erkennung, Bewertung, Priorisierung und Behebung ab.
Kontinuierliches, automatisiertes Scanning gilt als Standard. Kritische Systeme profitieren von häufigeren Scans, da neue Schwachstellen täglich bekannt werden.
Patchen schließt einen großen Teil der Schwachstellen, adressiert aber keine Konfigurationsschwachstellen wie unsichere Passwörter oder offene Zugänge. Diese erfordern zusätzliche manuelle Maßnahmen.
Klassische IT-Systeme, Cloud-Umgebungen, Webapplikationen und zunehmend auch Operational-Technology-Systeme (OT) in der Produktion benötigen ein strukturiertes Schwachstellenmanagement.
Nein. KI analysiert große Datenmengen und unterstützt bei der Mustererkennung. Die endgültige Priorisierung im jeweiligen Unternehmenskontext bleibt Aufgabe erfahrener Fachkräfte.

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