
02.10.2026
Testautomatisierung kann Softwarequalität sichern und Regressionstests deutlich beschleunigen. Gleichzeitig ist die Erstellung und Pflege automatisierter Tests aufwendig: Aus einer fachlichen Beschreibung wie „Einloggen und anschließend den Warenkorb öffnen“ muss zunächst eine Vielzahl technischer Informationen abgeleitet werden.
Genau hier setzt KI-gestützte Testautomatisierung an. Statt Testfälle in einer starren Syntax oder mit detaillierten technischen Angaben beschreiben zu müssen, soll KI aus fachlich formulierten Testschritten ausführbaren und gleichzeitig wartbaren Testcode erzeugen.
Daniel Horn beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Qualitätssicherung und Testautomatisierung. Als Product Owner begleitet er bei accompio die Entwicklung von QAptain, einem Tool, das genau diese Brücke zwischen manuellen Testfällen und automatisiertem Testcode schlagen soll.
Im vollständigen Experteninterview spricht Daniel Horn über QAptain und wie KI die Brücke zwischen fachlichen Testfällen und wartbarem Testcode schlagen kann.
Bei klassischer Testautomatisierung reicht eine fachliche Testbeschreibung häufig nicht aus. Ein Testautomatisierer muss für jeden einzelnen Schritt herausfinden, welches Element angesprochen wird, wie es technisch identifiziert ist und welcher Code dafür benötigt wird.
Bei längeren Ende-zu-Ende-Tests kann dieser Aufwand erheblich werden.
KI kann hier eine Zwischenebene schaffen: Der Testfall wird weiterhin fachlich beschrieben – beispielsweise, dass sich ein Nutzer einloggen und anschließend den Warenkorb öffnen soll. Die KI übernimmt anschließend einen Teil der Übersetzung in die technische Testautomatisierung.
Das Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, die fachliche Beschreibung durch eine neue technische Syntax zu ersetzen. Stattdessen soll natürliche Sprache näher an den ausführbaren Test gebracht werden.
Automatisch erzeugter Code ist nicht automatisch guter Code. Auch Testautomatisierungscode muss langfristig wartbar sein. Für Daniel Horn gelten deshalb ähnliche Anforderungen wie für klassischen Softwarecode: Lesbarkeit, klare Strukturen, Wiederverwendbarkeit und eine sinnvolle Abstraktion.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Page Object Pattern. Technische Details wie die genaue Identifikation eines Login-Feldes werden zentral hinterlegt. Der eigentliche Test kann dadurch auf einer höheren fachlichen Ebene formuliert werden. Statt einzelne technische Klicks abzubilden, kann der Test beispielsweise einfach den Prozess „mit diesen Daten einloggen“ aufrufen.
Das macht automatisierte Tests nicht nur verständlicher, sondern reduziert auch den Pflegeaufwand. Ändert sich beispielsweise die technische ID eines Elements, muss diese Anpassung idealerweise nur an einer zentralen Stelle vorgenommen werden – und nicht in hunderten oder tausenden Testfällen.
„Testautomatisierungscode sollte dieselben Qualitätsanforderungen erfüllen wie mein Applikationscode.“
Daniel Horn, Principal IT-Consultant bei accompio
Bei der Generierung von Testcode bleibt die menschliche Kontrolle ein wichtiger Bestandteil des Prozesses. Der von der KI erzeugte Code wird zunächst geprüft und beispielsweise über einen Pull Request in den bestehenden Entwicklungsprozess eingebracht. Erst nach dieser Prüfung wird er übernommen.
Der Grund ist einfach: Codegenerierung kann fehleranfällig sein. Der Mensch muss weiterhin beurteilen, ob der Test tatsächlich das tut, was fachlich erwartet wird.
Damit verändert sich auch die Rolle des Testautomatisierers. Weniger Zeit fließt in die rein technische Erstellung einzelner Codezeilen. Stattdessen können mehr Ressourcen in die Entwicklung sinnvoller Testfälle, Reviews und die Analyse von Risiken investiert werden.
Mit QAptain soll genau diese Verbindung geschaffen werden. Fachliche Testfälle können weiterhin so beschrieben werden, wie sie für einen manuellen Tester verständlich sind. Die KI übersetzt diese Beschreibung anschließend in die technische Struktur eines automatisierten Tests.
Dabei geht es nicht darum, die gesamte Testautomatisierung durch KI zu ersetzen. Vielmehr soll die technische Codeerstellung beschleunigt werden.
Perspektivisch könnte sich dieser Ansatz noch stärker in den Softwareentwicklungsprozess integrieren: Bereits bei der Anforderungsanalyse oder beim User Story Refinement könnten Testfälle und Akzeptanzkriterien definiert werden. Wenn anschließend die Entwicklung erfolgt, könnte daraus automatisiert auch der passende Testcode entstehen.
Damit verändert sich langfristig auch die Rolle von Quality Engineering. Die technische Umsetzung von Testautomatisierung könnte stärker in die Entwicklungsteams wandern. Gleichzeitig gewinnt die fachliche Analyse an Bedeutung: Welche Anforderungen gibt es? Welche Szenarien müssen getestet werden? Welche Risiken bestehen?
Jede User Story und jedes Akzeptanzkriterium kann dabei als Ausgangspunkt für einen Test betrachtet werden. Das Ziel ist ein stärker integrierter Prozess, bei dem Entwicklung und Qualitätssicherung nicht mehr getrennt voneinander arbeiten, sondern Tests von Anfang an Teil der Softwareentwicklung sind.

accompio unterstützt Unternehmen im Software Testing und bietet Know-How für die Zukunft in KI-gestützter Testautomatisierung.
KI kann einen wesentlichen Teil der technischen Arbeit bei der Testautomatisierung beschleunigen. Aus fachlich beschriebenen Testfällen kann automatisierter Code entstehen, ohne dass jeder technische Zwischenschritt manuell umgesetzt werden muss.
Damit dieser Ansatz funktioniert, braucht es jedoch mehr als einen KI-Generator: Wartbare Code-Strukturen, etablierte Automatisierungskonzepte und menschliche Qualitätskontrolle bleiben entscheidend.
Die Zukunft der Testautomatisierung liegt deshalb nicht darin, den Menschen vollständig aus dem Prozess zu entfernen. Vielmehr kann KI dabei helfen, technische Routinearbeit zu reduzieren und Quality-Engineering-Teams mehr Zeit für die Aufgaben zu geben, bei denen fachliches Verständnis und Erfahrung gefragt sind.

Daniel Horn ist Principal IT-Consultant bei accompio und als Product Owner der inhouse entwickelten Lösung QAptain der Ansprechpartner für KI-gestützte Testautomatisierung.
KI-gestützte Testautomatisierung nutzt künstliche Intelligenz, um aus fachlich beschriebenen Testfällen automatisierten Testcode zu erzeugen. Dadurch kann die technische Umsetzung von Testfällen beschleunigt werden.
KI kann Testcode generieren. Damit dieser langfristig wartbar ist, müssen jedoch Qualitätsprinzipien wie klare Strukturen, Wiederverwendbarkeit und geeignete Abstraktionen berücksichtigt werden. Deshalb ist eine menschliche Prüfung weiterhin wichtig.
Das Page Object Pattern abstrahiert technische Details einer Benutzeroberfläche. Elemente und ihre technischen Identifikatoren werden zentral verwaltet, während Testfälle auf einer fachlicheren Ebene formuliert werden können.
Nein. KI kann vor allem die technische Codeerstellung beschleunigen. Fachliche Testanalyse, Review, Risikobewertung und die Prüfung, ob ein Test tatsächlich die erwartete Qualität sicherstellt, bleiben wichtige Aufgaben von Quality-Engineering-Teams.
