
27.10.2026
Wie planen Unternehmen ihre IT für die nächsten Jahre, wenn technologische Entwicklungen immer schneller voranschreiten? Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten, Cyberangriffe erhöhen den Handlungsdruck und Cloud-Entscheidungen beeinflussen die zukünftige Flexibilität. Gleichzeitig sind Budgets, Fachkräfte und Zeit begrenzt.
Unternehmen müssen deshalb entscheiden, welche Themen Vorrang haben – und welche Vorhaben warten können. Dr. Andreas Herch, Geschäftsführer der Netz16 GmbH und Teil der accompio Gruppe, beschäftigt sich mit IT-Strategien und der Weiterentwicklung von Unternehmensinfrastrukturen. Im Interview erklärt er, warum langfristige IT-Planung schwieriger wird, weshalb Cybersecurity die Grundlage bildet und warum Unternehmen bei KI vor allem Innovationsmut benötigen.
Wie Unternehmen ihre IT-Roadmap auf die kommenden Jahre ausrichten, Cybersecurity und Cloud strategisch einordnen und trotz begrenzter Ressourcen in Innovation investieren können, erklärt Dr. Andreas Herch im vollständigen Interview.
Früher konnten Unternehmen IT-Investitionen häufig über mehrere Jahre planen. Eine Software wurde eingeführt und sollte anschließend möglichst lange stabil laufen. Heute verändern sich die Rahmenbedingungen deutlich schneller.
Cybersecurity entwickelt sich zu einer immer wichtigeren Voraussetzung für den Geschäftsbetrieb. Gleichzeitig verändert KI sowohl die technische Infrastruktur als auch die Prozesse innerhalb von Unternehmen. Was heute als sinnvolle Investition gilt, kann in wenigen Jahren bereits neue Anforderungen mit sich bringen.
Für Dr. Andreas Herch bedeutet das nicht, dass langfristige Planung überflüssig wird. Unternehmen müssen vielmehr flexibler werden und ihre strategischen Entscheidungen regelmäßig überprüfen. Eine IT-Roadmap sollte Orientierung geben, darf aber nicht zu einem starren Plan werden, der neue Entwicklungen ignoriert.
Entscheidend ist, technologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die eigene IT so aufzustellen, dass Anpassungen möglich bleiben.
Wenn Unternehmen ihre IT-Prioritäten festlegen, empfiehlt Herch eine klare Reihenfolge: Zunächst muss die Sicherheit der Systeme gewährleistet sein. Danach sollten Unternehmen ihre Infrastruktur und Cloudstrategie klären. Auf dieser Grundlage können sie sich stärker auf Innovationen durch KI konzentrieren.
Diese Themen sollten nicht beliebig miteinander vermischt werden. Eine übermäßig lange Diskussion über Infrastruktur und Sicherheitsdetails darf nicht dazu führen, dass Unternehmen den Einstieg in neue Technologien unnötig verzögern.
Gerade in Deutschland ist die IT-Planung häufig von einem starken Sicherheits- und Kontrollbedürfnis geprägt. Das ist nachvollziehbar: Unternehmen müssen Risiken bewerten, sensible Daten schützen und den zuverlässigen Betrieb ihrer Systeme gewährleisten.
Gleichzeitig kann ein übermäßig vorsichtiger Umgang mit neuen Technologien die Innovationsfähigkeit einschränken. Bei KI lässt sich heute noch nicht in allen Bereichen zuverlässig vorhersagen, welche Anwendungen und Geschäftsmodelle sich langfristig durchsetzen werden.
Herch plädiert deshalb für mehr Mut zum Ausprobieren. Unternehmen müssen bereit sein, neue Ansätze zu testen – auch wenn sich nicht jedes Vorhaben als erfolgreich erweist. Ein KI-Projekt kann beispielsweise zeigen, dass eine geplante Anwendung keinen ausreichenden Mehrwert liefert und eingestellt werden sollte. Auch diese Erkenntnis kann wertvoll sein.
Das Ziel ist nicht, Sicherheitsanforderungen zu ignorieren oder unkontrollierte Risiken einzugehen. Vielmehr sollten Unternehmen eine tragfähige Sicherheitsbasis schaffen und innerhalb dieses Rahmens gezielt experimentieren. So können sie Erfahrungen sammeln und neue Chancen nutzen, ohne jedes Vorhaben von Beginn an vollständig absichern oder langfristig festlegen zu müssen.
Eine IT-Roadmap beschreibt nicht nur, was umgesetzt werden soll. Sie legt ebenso fest, welche Vorhaben zunächst keine Priorität haben.
Möchte ein Unternehmen neue Märkte erschließen, seine Infrastruktur modernisieren, interne Prozesse neu gestalten und gleichzeitig KI-Produkte entwickeln, konkurrieren diese Ziele um dieselben Ressourcen. Budget, Fachkräfte und Zeit lassen sich nicht beliebig vervielfachen.
Deshalb müssen Unternehmen zunächst ihre geschäftlichen Ziele klären. Erst dann lässt sich beurteilen, welche IT-Investitionen den größten Beitrag leisten und welche Projekte warten können.
Für die IT-Organisationen und CIOs bedeutet das, Zielkonflikte transparent zu machen und Entscheidungen konsequent zu priorisieren. Wer alle Vorhaben gleichzeitig verfolgt, riskiert hohe Kosten, überlastete Teams und eine langsame Umsetzung.
Empfehlung: Cybersecurity als erste Priorität behandeln, die notwendige Sicherheitsbasis gezielt herstellen und anschließend den Fokus stärker auf neue Technologien richten. Sicherheit bleibt dabei eine kontinuierliche Aufgabe – sie sollte jedoch nicht zu einem endlosen Projekt werden, das sämtliche Innovationsvorhaben blockiert.
Bis 2030 wird sich nach Einschätzung Herchs auch die Rolle klassischer IT-Organisationen verändern. Statt große Softwaresysteme einzuführen und darauf zu hoffen, dass diese über Jahrzehnte unverändert funktionieren, müssen Unternehmen zunehmend unterschiedliche Anwendungen, Schnittstellen und Prozesse miteinander verbinden.
Diese Fähigkeit zur Orchestrierung wird wichtiger: Neue Anforderungen von Kunden, Märkten und Mitarbeitenden müssen schneller in funktionierende Lösungen übersetzt werden können.
Dafür benötigen Unternehmen flexible Architekturen, leistungsfähige Prozesse und eine IT-Organisation, die Veränderungen aktiv gestaltet. Die IT-Roadmap wird damit weniger zu einem detaillierten Bauplan für einen langfristig unveränderten Systemzustand. Sie wird vielmehr zu einem strategischen Rahmen, der Prioritäten setzt und regelmäßige Anpassungen ermöglicht.

accompio unterstützt Unternehmen dabei, IT-Infrastrukturen zu bewerten, Sicherheitsanforderungen einzuordnen und technologische Entscheidungen zu treffen.
Eine zukunftsfähige IT-Roadmap für 2030 braucht klare Prioritäten und die Bereitschaft, Entscheidungen an neue Entwicklungen anzupassen. Cybersecurity bildet die Grundlage für einen stabilen Geschäftsbetrieb. Die Cloudstrategie schafft Klarheit über Infrastruktur und Daten. Darauf aufbauend können Unternehmen KI gezielt einsetzen und neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen.
Dabei ist nicht entscheidend, jede technologische Entwicklung vorherzusagen. Wichtiger ist es, flexibel zu bleiben, Ressourcen sinnvoll einzusetzen und kontrolliert Neues auszuprobieren.
„Der erste Punkt ist das Thema Security safe machen. Der zweite Punkt ist die Infrastruktur, Cloud, und dann sich nur noch um das Thema KI kümmern.“
Dr. Andreas Herch, Geschäftsführer bei Netz16 (Teil der accompio-Gruppe)

Andreas hat als Geschäftsführer viel Erfahrung im IT-Segment, um IT-Infrastrukturen zu bewerten, Sicherheitsanforderungen einzuordnen und technologische Trends zu erkennen.
Eine IT-Roadmap sollte die geschäftlichen Ziele, die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, die Infrastruktur- und Cloudstrategie sowie geplante Innovationsvorhaben berücksichtigen. Wichtig sind klare Prioritäten und die Möglichkeit, auf technologische Veränderungen zu reagieren.
Cybersecurity schützt Systeme und Daten vor Angriffen und hilft, die Geschäftsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Eine belastbare Sicherheitsgrundlage ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für weitere IT-Investitionen und Innovationen.
Unternehmen sollten geeignete Anwendungsfälle identifizieren, neue Möglichkeiten gezielt testen und Erfahrungen sammeln. Wichtig ist, Innovationsprojekte nicht unnötig zu verzögern, gleichzeitig aber die notwendige Sicherheitsbasis und klare Verantwortlichkeiten sicherzustellen.
Sie sollten grundlegende Sicherheitsanforderungen konsequent umsetzen und darauf aufbauend kontrollierte Experimente ermöglichen. So können neue Technologien erprobt werden, ohne Sicherheitsrisiken zu ignorieren oder jede Innovation durch übermäßige Prüfprozesse auszubremsen.
Budget, Fachkräfte und Zeit sind begrenzt. Wenn Unternehmen zu viele strategische Vorhaben gleichzeitig verfolgen, können Kosten und Komplexität steigen, während die Umsetzung langsamer wird. Eine klare Priorisierung konzentriert Ressourcen auf die wichtigsten Geschäftsziele.
