
16.10.2026
Server und Netzwerke laufen, die Monitoring-Dashboards zeigen keine Auffälligkeiten – und trotzdem beschweren sich Anwender über langsame oder nicht erreichbare Anwendungen. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt häufig darin, dass die technische Infrastruktur zwar funktioniert, die tatsächliche Nutzung einer Anwendung aber nicht ausreichend überwacht wird.
Christian Doll arbeitet im Bereich Application Performance Monitoring (APM) und unterstützt Unternehmen dabei, Performance und Verfügbarkeit aus Sicht der Anwender messbar zu machen. Im Interview erklärt er, welche Monitoring-Ebenen es gibt, wie sich die Nutzererfahrung objektiv bewerten lässt und warum Unternehmen dabei am besten mit ihren wichtigsten Geschäftsprozessen beginnen.
Im vollständigen Experteninterview erklärt Christian Doll, Experte für Application Performance Monitoring bei accompio, wie Unternehmen die tatsächliche Nutzererfahrung messbar machen und End-User Observability sinnvoll einsetzen können.
Klassisches Infrastrukturmonitoring liefert wichtige Informationen über Server, Speicher und Netzwerkkomponenten. Doch selbst wenn diese Systeme technisch verfügbar sind, können Anwender an einer Anwendung scheitern.
Ein Beispiel: Nach einem Update funktioniert ein JavaScript im Browser nicht mehr korrekt. Dadurch wird möglicherweise gar keine Anfrage an den Server gesendet. Auch veränderte Berechtigungen oder eine nicht erreichbare Drittanbieterschnittstelle können verhindern, dass Anwender ihre Aufgaben erledigen.
Solche Fehler sind nicht zwangsläufig in den klassischen Infrastruktur-Dashboards sichtbar. Für die betroffenen Nutzer macht das allerdings keinen Unterschied: Der Service funktioniert für sie nicht wie erwartet.
Unternehmen müssen deshalb eine zusätzliche Frage stellen: Können Anwender ihre Aufgaben tatsächlich erfolgreich erledigen?
Monitoring lässt sich in verschiedene Ebenen unterteilen, die jeweils andere Informationen liefern:

Die Ebenen ergänzen sich. Während Infrastruktur- und Application Monitoring technische Hinweise auf mögliche Probleme liefern, betrachtet End-User Observability den gesamten Nutzungsvorgang. Dadurch lassen sich auch Fehler erkennen, die erst im Zusammenspiel verschiedener Komponenten auftreten.
Besonders relevant ist das bei geschäftskritischen Abläufen: Wenn eine Bestellung, ein Angebot oder ein Report nicht erstellt werden kann, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit im Unternehmen.
Für die Überwachung aus Anwendersicht stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Zwei wichtige Ansätze sind synthetisches Monitoring und Real-User-Monitoring.
Synthetisches Monitoring simuliert definierte Nutzungsvorgänge in regelmäßigen Abständen. Beispielsweise wird geprüft, ob ein Anwender einen bestimmten Geschäftsprozess erfolgreich durchlaufen kann. Das ermöglicht kontinuierliche Messungen – auch dann, wenn gerade niemand aktiv mit der Anwendung arbeitet.
Real-User-Monitoring wertet dagegen tatsächliche Anfragen und Interaktionen aus. So lassen sich reale Fehler und Antwortzeiten erfassen und kategorisieren. Dafür sind je nach Umsetzung zusätzliche technische Ressourcen und ein höherer administrativer Aufwand erforderlich. Datenschutzaspekte müssen ebenfalls berücksichtigt werden, etwa durch die Maskierung sensibler Informationen.
Welche Methode geeignet ist, hängt vom jeweiligen Service und den Anforderungen ab. Beide Ansätze können sich ergänzen: Synthetische Tests prüfen definierte Abläufe kontinuierlich, während Real-User-Monitoring Einblicke in die tatsächliche Nutzung liefert.
Wenn Anwender melden, dass eine Anwendung zu bestimmten Tageszeiten langsamer reagiert, ist das zunächst eine subjektive Wahrnehmung. Ohne Messdaten ist es schwierig, im Nachhinein festzustellen, was zu diesem Zeitpunkt passiert ist.
End-User Observability schafft eine objektive Grundlage. Zu den relevanten Messgrößen gehören insbesondere:
Auf dieser Grundlage können Unternehmen erkennen, wie sich Anwendungen im Alltag verhalten und wo Optimierungsbedarf besteht. Die Daten helfen dabei, technische Maßnahmen gezielt zu priorisieren, etwa zusätzliche Ressourcen bereitzustellen oder Engpässe zu untersuchen.
Auch Service Level Agreements (SLAs) und Service Level Objectives (SLOs) lassen sich damit überprüfen. Unternehmen können beispielsweise definieren, wie verfügbar ein Service sein muss oder welche maximale Antwortzeit für eine Aktion akzeptabel ist. Messdaten zeigen dann, ob diese Anforderungen erfüllt werden.
Eine einzelne Nutzeraktion kann zahlreiche Komponenten und Abhängigkeiten durchlaufen – von der Clientanwendung über das Netzwerk bis hin zu Datenbanken oder externen Services. Gerade bei Drittanbieterschnittstellen fehlt Unternehmen häufig der direkte Einblick in die zugrunde liegende Infrastruktur.
End-to-End-Monitoring hilft dabei, solche Abläufe aus Sicht des Anwenders zu prüfen und Probleme entlang des Nutzungsvorgangs sichtbar zu machen. Lösungen wie OpenText Application Performance Management und Business Process Monitoring bieten dafür unter anderem synthetisches Monitoring, Real-User-Monitoring sowie Möglichkeiten zur Auswertung und Weitergabe von Messdaten.
Für die Zukunft sieht Christian Doll insbesondere Potenzial in KI-gestützter Analyse. In vielen Unternehmen existieren mehrere Monitoring-Werkzeuge, die jeweils unterschiedliche Ereignisse erfassen. Werden diese Informationen zusammengeführt, lassen sich mögliche Zusammenhänge leichter erkennen – etwa zwischen einer Netzwerkstörung, einem Datenbankproblem und dem Ausfall einer Anwendung.
Auch Informationen aus dem Change Management können helfen, Ursachen einzugrenzen. So lässt sich möglicherweise schneller nachvollziehen, ob eine kürzlich vorgenommene Änderung mit einer Störung zusammenhängt.

accompio unterstützt Unternehmen dabei, Monitoring-Lösungen sinnvoll einzusetzen, Abhängigkeiten sichtbar zu machen und die Qualität geschäftskritischer IT-Services aus Anwendersicht zu bewerten.
End-User Observability erweitert das klassische Monitoring um eine entscheidende Perspektive: Nicht nur die technische Infrastruktur zählt, sondern auch die Frage, ob Anwender ihre Arbeit tatsächlich erledigen können.
Unternehmen müssen dafür nicht sofort sämtliche Anwendungen überwachen. Christian Doll empfiehlt, mit einem wichtigen Service und einem kritischen Geschäftsprozess zu beginnen. Gemeinsam mit den zuständigen Administratoren und Serviceverantwortlichen sollten die relevanten Komponenten, Abhängigkeiten und Messpunkte identifiziert werden.
So entstehen schrittweise belastbare Daten, mit denen sich Beschwerden nachvollziehen, Verbesserungen priorisieren und die Servicequalität bewerten lassen.
„Langsam beginnen. Sich einen Service raussuchen.“
Christian Doll, Experte für Application Performance Monitoring bei accompio

Christian unterstützt mit seiner langen Erfahrung Unternehmen dabei, Performance und Verfügbarkeit aus Sicht der Anwender messbar zu machen.
End-User Observability untersucht, ob Anwendungen aus Sicht der Anwender verfügbar und performant sind. Sie ergänzt das klassische Monitoring um Informationen darüber, ob wichtige Nutzungsvorgänge tatsächlich funktionieren.
Application Monitoring betrachtet technische Informationen einer Anwendung, beispielsweise Logs und laufende Prozesse. End-User Observability untersucht zusätzlich die tatsächliche Nutzbarkeit und Performance aus Anwendersicht.
Synthetisches Monitoring simuliert definierte Nutzungsvorgänge regelmäßig und kann dadurch auch ohne aktive Anwender messen. Real-User-Monitoring wertet dagegen tatsächliche Anfragen und Interaktionen aus.
Sie macht Verfügbarkeit, Antwortzeiten und Fehler aus Anwendersicht messbar. Unternehmen können Beschwerden objektiv bewerten, Probleme früher erkennen und Optimierungen gezielter priorisieren.
Sinnvoll ist der Start mit einem geschäftskritischen Service und einem wichtigen Geschäftsprozess. Gemeinsam mit den zuständigen Teams werden relevante Komponenten, Abhängigkeiten und Messpunkte definiert und die Ergebnisse anschließend ausgewertet.
