
23.10.2026
Mehr Bandbreite, mehr Netzwerkports, modernste Hardware: Bei der Auswahl einer neuen Netzwerklösung stehen häufig technische Kennzahlen und der Anschaffungspreis im Vordergrund. Doch eine leistungsfähige oder besonders günstige Lösung ist nicht automatisch die richtige Wahl.
Dr. Christian Attinger ist bei accompio als Customer Success Manager für Cisco-Kunden und als Lead Consultant für IT- und OT-Netzwerkarchitekturen tätig. Im Interview erklärt er, warum Unternehmen ihre individuellen Anforderungen genau analysieren sollten, welche Rolle Sicherheit und Betriebskosten spielen und wie sich teure Fehlentscheidungen vermeiden lassen.
Wie Unternehmen die passende Netzwerklösung finden, welche Anforderungen bei der Auswahl häufig übersehen werden und warum die langfristigen Betriebskosten entscheidend sind, erklärt Dr. Christian Attinger im vollständigen Interview.
Standardisierung ist in der IT wichtig. Sie erleichtert die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Systemen und Herstellern und schafft wiederverwendbare Grundlagen. Problematisch wird es, wenn Unternehmen eine Standardarchitektur übernehmen, ohne zu prüfen, ob sie zum eigenen Anwendungsfall passt.
Ein Unternehmen mit einer großen Produktionsumgebung hat andere Anforderungen an sein Netzwerk als eine Organisation, deren Mitarbeitende überwiegend mobil oder im Homeoffice arbeiten. Auch die Bedeutung der Verfügbarkeit unterscheidet sich: Bei einem geschäftskritischen System können Ausfälle unmittelbare Folgen haben, während andere Anwendungen weniger hohe Anforderungen stellen.
Wird eine bekannte Architektur unabhängig vom tatsächlichen Bedarf eingesetzt, kann das zu unnötiger Komplexität, hohem Ticketaufkommen und enttäuschenden Ergebnissen führen. Die technische Lösung funktioniert möglicherweise, unterstützt das Unternehmen aber nicht so effizient wie erwartet.
Dr. Christian Attinger setzt deshalb auf individuelle Beratung statt auf ein pauschales Konzept. Ziel ist es, gemeinsam zu klären, welche geschäftlichen Ergebnisse das Netzwerk ermöglichen soll und welche technische Umsetzung dafür sinnvoll ist.
Eine fundierte Netzwerkauswahl beginnt nicht mit einem bestimmten Hersteller oder Produkt, sondern mit einer Bestandsaufnahme. Im Rahmen eines Network Assessments werden der aktuelle Zustand, die technische Infrastruktur und die geschäftlichen Anforderungen betrachtet.
Dabei stehen unter anderem folgende Fragen im Mittelpunkt:
Die Antworten helfen, die passende Architektur und Dimensionierung zu bestimmen. Sie verhindern, dass Unternehmen beispielsweise mehr Netzwerkports oder Bandbreite einkaufen, als sie tatsächlich benötigen.
Auch bestehende Messdaten können wertvoll sein. Wer bereits weiß, wie stark die Infrastruktur ausgelastet ist und welche Anwendungen welche Leistung benötigen, kann diese Informationen direkt in die Planung einbeziehen. Fehlen solche Daten, kann eine vorgelagerte Analyse dabei helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Netzwerkentscheidungen werden häufig anhand von Kennzahlen wie Bandbreite, Portanzahl und Durchsatz getroffen. Dabei geraten Sicherheitsanforderungen mitunter in den Hintergrund. Moderne Netzwerke müssen jedoch nicht nur Daten transportieren, sondern auch Zugriffe kontrollieren und Risiken begrenzen.
Hybrides Arbeiten und mobile Zugriffe verändern die Anforderungen zusätzlich. Unternehmen müssen berücksichtigen, wer auf welche Systeme zugreifen darf und wie sich mögliche Sicherheitsvorfälle auf andere Bereiche auswirken könnten. Dazu gehört auch, die Ausbreitung eines Angriffs innerhalb der Infrastruktur möglichst zu begrenzen.
Neben Sicherheit ist die Betriebsfähigkeit entscheidend. Eine technisch leistungsfähige Architektur kann zur Fehlentscheidung werden, wenn das interne Team sie nicht ausreichend administrieren kann. Unternehmen müssen daher auch prüfen, ob sie das notwendige Know-how und die Ressourcen besitzen oder bestimmte Leistungen besser durch einen spezialisierten Dienstleister erbringen lassen.
Die passende Netzwerklösung ist folglich nicht nur eine Frage der technischen Möglichkeiten. Sie muss sich auch sicher, zuverlässig und mit vertretbarem Aufwand betreiben lassen.
Bei Investitionen in Netzwerkinfrastruktur steht häufig der anfängliche Kaufpreis im Mittelpunkt. Für eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung sollten Unternehmen jedoch die Gesamtkosten über mehrere Jahre betrachten.
Neben Hardware und Lizenzen zählen dazu auch Administration, Support, Fehlerbehebung und Wartung. Eine Lösung, die im Einkauf günstiger ist, kann im Alltag mehr manuellen Aufwand verursachen. Fehlen zentrale Dashboards oder Automatisierungsmöglichkeiten, benötigen Mitarbeitende möglicherweise mehr Zeit, um Störungen zu analysieren und Informationen zusammenzutragen.
Auch Supportzeiten spielen eine Rolle. Fällt ein geschäftskritischer Switch aus, kann ein längerer Austauschprozess erhebliche Auswirkungen haben. Entscheidend ist deshalb, welche Verfügbarkeit benötigt wird und welche Serviceleistungen im Störungsfall tatsächlich zur Verfügung stehen.
Die Empfehlung: Unternehmen sollten nicht ausschließlich möglichst wenig investieren, sondern genau so viel, wie für ihren Bedarf erforderlich ist. Eine höhere Anfangsinvestition kann sich lohnen, wenn sie den laufenden Betrieb vereinfacht, Ausfallrisiken reduziert oder zusätzliche personelle Aufwände vermeidet.
„Wir wollen nie mehr als nötig für etwas bezahlen, aber eben genauso viel wie nötig.“
Dr. Christian Attinger, Customer Success Manager bei accompio
Eine Netzwerkinfrastruktur wird in der Regel über mehrere Jahre genutzt. Deshalb sollte bereits bei der Auswahl berücksichtigt werden, wie sich das Unternehmen entwickeln könnte. Neue Standorte, steigende Datenmengen, veränderte Arbeitsmodelle oder zusätzliche Anwendungen können die Anforderungen deutlich verändern.
Eine skalierbare Architektur lässt sich bei Bedarf erweitern, ohne dass das Netzwerk vollständig neu aufgebaut werden muss. Ebenso wichtig ist die langfristige Perspektive auf den Hersteller: Unternehmen sollten prüfen, ob die Lösung voraussichtlich weiterentwickelt wird und ob Support sowie Ersatzteile zuverlässig verfügbar bleiben.
Auch die Entscheidung zwischen Cloud-Management und On-Premises-Betrieb beeinflusst die Auswahl. Cloudbasierte Verwaltung kann Administration vereinfachen und einen zentralen Überblick ermöglichen. Unternehmen mit regulatorischen Vorgaben oder besonderen Anforderungen an die Datenhoheit können dagegen Gründe haben, bestimmte Systeme lokal zu betreiben.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Finanzierung. Nicht jedes Unternehmen muss Hardware zwingend selbst besitzen. Je nach Geschäftsmodell können laufende Betriebsausgaben (OpEx) gegenüber einer hohen einmaligen Investition (CapEx) Vorteile bei Liquidität und Budgetplanung bieten. Entscheidend ist, welches Modell am besten zu den wirtschaftlichen und technischen Anforderungen passt.

accompio unterstützt Unternehmen bei der Analyse ihrer Anforderungen, der Auswahl geeigneter Architekturen und der Planung einer nachhaltigen Netzwerklösung.
Eine erfolgreiche Netzwerkauswahl beginnt mit den Anforderungen des Unternehmens – nicht mit einem bestimmten Hersteller, einer möglichst hohen Leistungsangabe oder dem niedrigsten Angebot.
Eine fundierte Analyse hilft, den tatsächlichen Bedarf zu bestimmen, Sicherheitsanforderungen einzubeziehen und unnötige Investitionen zu vermeiden. Gleichzeitig sollten Unternehmen die Betriebskosten, die vorhandenen Administrationsressourcen und die langfristige Entwicklung ihrer Infrastruktur berücksichtigen.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht: Welche Netzwerklösung ist die beste? Sondern: Welche Netzwerklösung unterstützt unsere Geschäftsprozesse heute und lässt sich morgen sinnvoll weiterentwickeln?

Christian unterstützt Unternehmen bei Analyse bestehender Netzwerkstrukturen und der Planung einer leistungsfähigen, sicheren und wirtschaftlich sinnvollen Netzwerklösung.
Unternehmen sollten zunächst ihre Geschäftsprozesse, Arbeitsmodelle, Leistungsanforderungen und Sicherheitsbedürfnisse analysieren. Ein Network Assessment hilft, den Ist-Zustand zu bewerten und eine Lösung zu finden, die zum tatsächlichen Bedarf passt.
Neben dem Anschaffungspreis entstehen Kosten für Administration, Support, Wartung und Fehlerbehebung. Eine zunächst günstigere Lösung kann langfristig teurer werden, wenn sie mehr manuellen Aufwand verursacht oder höhere Ausfallrisiken mit sich bringt.
Netzwerke müssen Zugriffe kontrollieren, Identitäten absichern und die Ausbreitung von Sicherheitsvorfällen begrenzen können. Deshalb sollten Sicherheitsanforderungen von Anfang an in die Architekturentscheidung einfließen.
Ein Network Assessment ist eine Analyse der bestehenden Netzwerkinfrastruktur und ihrer Anforderungen. Es betrachtet beispielsweise Auslastung, Architektur, Anwendungen und Geschäftsprozesse und schafft eine fundierte Grundlage für Planung und Investitionen.
Das hängt von den Anforderungen ab. Cloudbasiertes Management kann die zentrale Verwaltung vereinfachen. On-Premises-Lösungen können sinnvoll sein, wenn regulatorische Vorgaben, betriebliche Rahmenbedingungen oder Anforderungen an die Datenhoheit dies nahelegen.
